Aktuell


Kommende Termine

*abgesagt* – 14./15. November 2020 – Retraite in Solothurn

*abgesagt* – 20./21. März 2021 – Retraite in Solothurn – Eine neues Datum, möglicherweise im Mai 2021, wird gesucht

19. Juni 2021 – Generalkapitel in Solothurn


*abgesagt* – Einladung zur Retraite am 14./15. November 2020

Liebe Brüder und Schwestern

In den letzten Jahren haben die Präsenz von Muslimen in unserem Land und auch der Islam als solcher ganz unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Auf der einen Seite gibt es – etwa unter Hinweis auf terroristische Zellen wie den sog. Islamischen Staat oder auf die Stellung von Frauen in der Öffentlichkeit – eine harte Ablehnung von allem Muslimischen. Auf der anderen Seite plädiert man für interreligiöse Gespräche bis hin zur Idee einer «abrahamitischen Ökumene», in der Juden, Christen und Muslime – mit Berufung auf die wichtige Stellung Abrahams und des Einen Gottes in ihren Religionen – mit der Zeit eine verborgene Einheit finden sollen.

Unsere Retraite ist einer in den Medien eher unbekannten Seite muslimischen Lebens gewidmet, die für ein tieferes Verständnis des Islam und seiner inneren Wandlungsfähigkeit unabdingbar ist:

Muslimische Frömmigkeit – ein anderer Blick auf den Islam

Dazu lädt uns Prof. Dr. Reinhard Schulze ein. Er war bis zu seiner Emeritierung Islamwissenschaftler an der Universität Bern und ist Euch wohl bekannt von seinen Einschätzungen am Schweizer Fernsehen zu Vorgängen in der islamischen Welt.

September 2020
Urs von Arx, Rektor

Anmerkung
Die Retraite findet unter Beachtung der aktuell gültigen Sicherheitsvorschriften betreffend COVID-19 seitens BAG statt.

Die Einladung zum Download

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Programm der Einkehrtage

Samstag

ab 11.00 Uhr Ankunft der Teilnehmenden gemäss persönlicher Anmeldung

11.45 Mittagsgebet (mit den Schwestern – fakultativ)

12.00 Mittagessen

14.00 Der Koran als Mysterium

15.30 Kaffeepause

16.00 Islam oder die Läuterung der Gottestreuen (bis 17.15)

17.30 Abendessen

19.00 Vigil (mit den Schwestern)

Sonntag

07.30 Uhr Laudes (mit den Schwestern)

08.00 Frühstück

09.00 Eucharistiefeier

10.15 Die sufische Frömmigkeit des Vergehens

11.45 Angelus

12.00 Mittagessen (mit den Schwestern)

14.15 Die moderne Frömmigkeit der Nachahmung (bis 15.30)

16.00 Vesper (mit den Schwestern)

Anmeldung
bis Mittwoch, den 4. November 2020 bei Frau Annette Studer-von Arx, mit dem Talon der Einladung oder per Telefon (032 622 20 78) bzw. E-Mail (annette.studer@gmx.net).
Bitte rasch anmelden (beschränkte Platzzahl).

Bitte angeben, wer am Hauptbahnhof Solothurn mit dem Auto abgeholt werden möchte.

Kosten
Die ganze Retraite mit Übernachtung im Einzelzimmer und vier Mahlzeiten kostet CHF 130.00.

Die Gemeinschaft des hl. Johannes des Täufers ist bereit, Interessenten bei finanziellen Engpässen angemessen zu unterstützen.

Zum Haus
Unser Ort für die Retraiten und Einkehrtage ist das Kloster Namen Jesu (Nominis Jesu), Herrenweg 2, 4500 Solothurn (Tel. 032 622 48 06) → Link zu Google Maps. Website des Klosters → http://www.namenjesu.ch. Die Gemeinschaft der Kapuzinerinnen heisst uns herzlich willkommen.

Das Kloster kann vom Hauptbahnhof mit dem Bus Linie 4 (Richtung Rüttenen) bequem erreicht werden: Haltestelle „Bergstrasse“ (ein Vorschlag: Abfahrt Hauptbahnhof 11.17 Uhr; Ankunft Bergstrasse 11.25 Uhr). → zum SBB-Fahrplan

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Zur Hinführung

Was die grosse Vielzahl religiöser Traditionen eint, ist ein ethisches Verhaltensmoment, durch das der Mensch sein Dasein an eine Vorstellungswelt ausrichtet, die wir heute gemeinhin als Religion bezeichnen. Dieses Verhaltensmoment, das im Christentum zunächst Eusebeia oder Pietas, dann seit dem 17. Jahrhundert «Frömmigkeit» genannt wurde, ist über die Zeiten hinweg nie gleichförmig gewesen. Jede Epoche schuf sich sehr eigene Gestaltungen der Frömmigkeit.

Anders als das Judentum oder das Christentum wird heute der Islam in der Öffentlichkeit kaum noch mit Frömmigkeit in Verbindung gebracht. Fromme Muslime gelten meist als fundamentalistische Zeloten, selbst eine fromme Anrufung wie «Gott ist gross» wird als Phrase gewertet, durch die Menschen eine Gewalthandlung zu rechtfertigen scheinen. Doch wie ist es um die Frömmigkeit im Islam bestellt? Und kann die Besinnung auf Frömmigkeit helfen, die sozialen Gräben zwischen den Religionsgemeinschaften zu überwinden?

Dies soll in vier Schritten geschehen. Im ersten Schritt «Der Koran als Mystērion» geht es um den Versuch nachzuvollziehen, wie der Koran als Text der Spätantike (entstanden ca. 610-632) und Frömmigkeit zusammenhängen. Wir werden sehen, dass der Koran eng mit jenen Frömmigkeitsvorstellungen verbunden war, die in der Spätantike auch die christlichen und jüdischen Traditionen prägten. Allein schon die Erinnerung an diese spätantiken Gemeinsamkeiten öffnet den Raum für ein neues Verständnis religiösen Zusammenlebens.

Im zweiten Schritt greifen wir ein Leitthema des Islam auf: «Katharsis oder die Läuterung der Gottestreuen». Der Islam war in der Frühzeit ein Kult der Läuterung, durch die sich der Gottestreue auf das Jüngste Gericht vorbereitete. Diese Läuterung erfolgte durch Rituale, die die Lebenszeit der Gottestreuen bestimmte. Die Rituale grenzten deutlich eine Alltagswelt ab, in der sich – so das Ideal – Frömmigkeit als Tugend ausprägen sollte.

nach obenIm dritten Schritt, der unter der Überschrift «Teleiōsis oder die Sufische Frömmigkeit des Vergehens» steht, wollen wir jenen spirituellen Traditionen nachspüren, die als Sufismus bezeichnet werden. Schon frühe Sufis haben behauptet, dass im Rahmen ihrer Frömmigkeit die Grenzen zwischen den Religionsgemeinschaften zerfliessen, ja, dass sich die Religionsgemeinschaften in ihrer sufischen Frömmigkeit sogar aufheben.

Im abschliessenden vierten Schritt wollen wir uns mit der «Mimēsis oder die moderne Frömmigkeit der Nachahmung» befassen. In der Neuzeit und Moderne vollzog sich in bestimmten islamischen Kreisen ein tiefgreifender Wandel im Verständnis von Frömmigkeit. Als fromme Gläubige galten nun jene, die den Propheten Muhammad nachzuahmen versuchten. Ähnlich wie in der Imitatio Christi des 15./16. Jahrhunderts griffen auch muslimische Prediger auf mittelalterliche Vorgänger zurück, um eine Imitation Muhammadi auszugestalten. Diese wurde vor allem für urbane Eliten und später für islamische Puritaner zum zentralen Moment einer neuzeitlichen Frömmigkeit, die in der Moderne noch weiter radikalisiert wurde. Abschliessend werden wir fragen, welche neuen Formen islamischer Frömmigkeit heute bestehen.

In allen vier Schritten werden uns kurze, ins Deutsche übersetzte Textausschnitte sowie kurze Filmsequenzen, die Frömmigkeitshaltungen dokumentieren sollen, begleiten.

Reinhard Schulze

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